Das Geschäft mit den Gebrauchten

1993 war ein historisches Jahr für Gebrauchtwagenhändler. Es war das einzige seit der Wende, in dem in Deutschland mehr Umsatz durch Gebrauchtwagen entstanden war, als durch Neuwagen. Seit damals ist der Umsatz für Autos, gebrauchte wie auch neue, deutlich gestiegen. Im vergangenen Jahr lag er bei 156 Milliarden Euro; 69,8 Milliarden dieses Umsatzes entfallen auf den Gebrauchtwagenmarkt. Diese Zahl erscheint sehr groß, bedenkt man, dass der momentane Preis für bspw. einen Golf V (Bj. 2007) laut ADAC bei durchschnittlich etwa 7000 Euro liegt und daher 2014 ungefähr zehn Millionen Gebrauchtwagen den Besitzer gewechselt haben müssten. Bei 56 Millionen Deutschen, die im vergangenen Jahr einen Führerschein besaßen, hätte also etwa jeder fünfte im vergangenen Jahr einen Gebrauchtwagen gekauft. Natürlich ist das nicht der Fall.

Gebrauchtwagen: Große Unterschiede bei Onlineportalen

Der Durchschnittspreis für einen Gebrauchtwagen liegt deutlich über dem eines sieben Jahre alten VW Golf. Zwei der größten Anlaufstellen für diesen Markt sind die Internetportale AutoScout24 und mobile.de. Im Juni gab AutoScout24 den Durchschnittspreis für einen Gebrauchtwagen auf der Plattform mit 16.634 Euro an; mobile.de sogar mit 19.989 Euro. Interessant ist, dass die Entwicklung des Durchschnittspreises auf diesen beiden Portalen zwischen Februar und Juni 2015 stark auseinandergeht: Während er bei AutoScout24 um 1000 Euro fiel, fiel der Preis bei mobile.de erst leicht, stieg dann aber wieder, um im Juni sogar 30 Euro über dem Wert von Februar zu liegen. Wie ist dieser Unterschied zu erklären?

Privatpersonen verkaufen ältere Modelle

Zwar bezieht AutoScout24 Fahrzeuge in die Statistik mit ein, die bis zu 15 Jahren alt sind, während mobile.de nur Autos mit maximal zehn Jahren einfließen lässt, womit der Verkaufspreis bei mobile.de von Vornherein höher sein muss, aber der eigentliche Grund dürfte eine leichte Angebotsverschiebung sein. So legten bei AutoScout24 die Inserate der zehn bis 15 Jahre alten Fahrzeuge im Vergleich zum Jahresanfang um fast 40 % zu. Stephan Spaete, Senior Vice President bei AutoScout24, erklärte gegenüber der ‘Automobilwoche’, dass in letzter Zeit vermehrt Privatpersonen und kleinere Händler inserierten, die hauptsächlich ältere Fahrzeuge verkaufen. Besonders private Verkäufer sind relevant für den deutschen Gebrauchtwagenmarkt, denn 41 % des Umsatzes kamen 2014 von ihnen. Weitere 35 % brachte der Markenhandel und 24 % der freie Handel. Die Glanzzeiten der Privatverkäufer lagen in den frühen 2000er Jahren, als regelmäßig mehr als die Hälfte des Umsatzes aus privaten Geschäften kam.

Gebrauchtwagen: Wertverlust sehr unterschiedlich

Maßgebliche Kriterien für Kauf und Verkauf eines Gebrauchtwagens sind nicht nur der allgemeine Zustand, die Laufleistung und das Alter, sondern unter anderem auch der Restwert. Die Modelle mancher Marken sind nach ein paar Jahren noch deutlich näher am ursprünglichen Neuwert, als die Modelle anderer Marken, obwohl alle anderen Faktoren identisch sind. Als Fausformel gilt: Nach zwei Jahren hat ein Wagen ein Drittel seines Wertes verloren, nach fünf Jahren die Hälfte. Ein Mercedes C 200 hat bspw. schon nach einem Jahr und 15.000 Kilometern 37,1 % an Wert verloren, während ein BMW 118i nach denselben Variablen nur 28,9 % eingebüßt hat – und ein VW Up sogar nur 23,5 %. Den Indikator des Wertverlustes bedenkt jedoch kaum ein Käufer, wenn er sich für einen Wagen entscheidet. Das mag auch daran liegen, dass 73 % der Autofahrer, die zuletzt einen Gebrauchten gekauft hatten, auch beim nächsten Autokauf keinen Neuwagen wählen. Insofern würde man den Wagen dann aus zweiter oder sogar dritter Hand verkaufen, was den Wert beim Weiterverkauf ohnehin beeinträchtigt.

Restwertindex als Indikator für beliebte Marken

Als Vergleichsgröße dieses Wertverlustes gilt der Restwertindex, der, nachdem jahrelang Porsche Spitzenreiter war, derzeit von Land Rover angeführt wird – ein Land Rover hat also nach der Tabelle von Schwacke im Vergleich den höchsten Restwert. Betrachtet wird der Wert nach drei Jahren und 60.000 Kilometern Laufleistung. Auf den nächsten Rängen folgen Porsche, Dacia, Mini, Jeep, BMW und Audi. Dacia, bekannt für seine außerordentlich günstigen Neuwagen, stößt aus dieser sonst eher mittel- und höherpreisigen Menge hervor, weil der rumänische Hersteller seinen Marktanteil nur im äußerst geringen Maße mit Eigenzulassungen verfälscht. Den schlechtesten Restwertindex haben Smart, Opel und, mit 69,6 Punkten besonders weit abgeschlagen, Chevrolet. Ein Chevrolet verliert also – nach drei Jahren und 60.000 Kilometern – 30,4 % mehr an Wert als ein Land Rover. Eine gute Punktzahl beim Restwertindex spiegelt wieder, wie gefragt ein bestimmter Hersteller ist. Und eine hohe Nachfrage wiederum ist in den meisten Fällen ein Hinweis auf hohe Qualität, ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, und/oder andere Wettbewerbsvorteile und Alleinstellungsmerkmale.

Solche Wettbewerbsvorteile und Alleinstellungsmerkmale herauszuarbeiten, zu nutzen und als elementaren Teil der Unternehmenskommunikation zu optimieren ist die Aufgabe von concertare. concertare analysiert seit fast 20 Jahren die facettenreiche Wechselbeziehung zwischen Unternehmen und Kunden mittels speziell geschulter Fachkräfte, die direkt vor Ort die Strukturen zwischen Mitarbeitern, Kundschaft und den jeweiligen Erwartungen und Bedürfnissen untersuchen. Die aus diesen Daten erarbeiteten Optimierungsvorschläge werden individuell für jedes Unternehmen angefertigt, denn so unterschiedlich Kundenbeziehungen sind, auf so vielfältige Art kann man sie verbessern.

 

Quellen:

  • http://www.automobilwoche.de/article/20150602/NACHRICHTEN/150609958/gegenlaufige-entwicklung-in-den-gro%C3%9Fen-borsen#.VZaMYKY0O8Y
  • http://de.statista.com/statistik/daten/studie/243646/umfrage/umsatz-auf-dem-gebraucht-und-neuwagenmarkt-in-deutschland/
  • http://de.statista.com/statistik/daten/studie/36714/umfrage/marktanteile-im-gebrauchtwagengeschaeft-in-deutschland/
  • https://www.adac.de/_mmm/pdf/gebrauchtwagenpreise_53800.pdf
  • http://www.autobild.de/bilder/so-schnell-verliert-ihr-neuwagen-an-wert-5295083.html#bild1