E-Car an Ladestation vor Landschaft

Automobiles Umdenken – Warum Elektroautos die Zukunft sind

Benzinfahrzeuge sind unzuverlässig und laut, stinken und vibrieren – während ein Elektrofahrzeug sehr leise ist, immer sofort anspringt und kaum gewartet werden muss. Diese Argumentation könnte man von einem versierten Autohändler im Jahr 2015 erwarten. Stattdessen waren das die Verkaufsargumente für ein Elektrofahrzeug anno 1912. Allein in jenem Jahr hatte es in den USA 34.000 Neuzulassungen für Elektroautos gegeben. Zum Vergleich: Anfang 2015 gibt es in ganz Deutschland gerade einmal 19.000 Stromer! Vor 100 Jahren schienen die Elektroautos die Technik der Zukunft unter der Haube zu haben und waren amerikanischer Standard bei Feuerwehr, Post und Taxen. Fast doppelt so viele Elektroautos wie Benziner surrten seinerseits durch die USA, aber auch Kaiser Wilhelm fuhr elektrisch. Zu groß waren die Nachteile der Verbrennungsmotoren, die man nur mittels Kurbel und erheblichem Kraftakt starten konnte und deren Treibstoff als genauso gefährlich wie Dynamit galt. Dennoch: Finaler Standard des 20. Jahrhunderts wurden bekanntlich die Verbrennungsmotoren. Die Wende hatte – ebenfalls 1912 – die Entwicklung des elektrischen Anlassers gebracht. Der entscheidende Nachteil des E-Autos, die geringe Reichweite, schickte die fortschrittliche Technik in einen fast 100 Jahre dauernden Dornröschenschlaf.

Technische Nachteile schrecken Autofahrer ab

Schon damals schraubte kaltes Wetter die maximale Strecke einer Akkuladung massiv herunter. Selbst bei günstigen Bedingungen mussten die Autos nach spätestens 80 Kilometern wieder aufgeladen werden. Und obwohl sich diese Technik bis heute verbessert hat – heute schafft ein Stromer regulär etwa 250 Kilometer – sind die eklatantesten Nachteile 2015 dieselben wie 1912: Lange Überlandfahrten sind praktisch unmöglich, müssen zumindest genau geplant werden, und selbst wenn man eine Ladestation finden sollte, dauert es mindestens eine halbe Stunde, bis das E-Auto wieder aufgeladen ist. Jeder dritte deutsche Autofahrer lehnt die Anschaffung eines Elektroautos allein wegen der schlechten Reichweite und der ungünstigen Infrastruktur der Stromtankstellen ab.

Das Problem mit den raren Auflademöglichkeiten ist eines der wichtigsten Argumente, weshalb die Stromer in Deutschland noch immer ein Nischenprodukt sind. Den 14.000 herkömmlichen Tankstellen standen im Herbst vergangenen Jahres nur 2230 öffentlich zugängliche Ladestationen mit im Schnitt zwei Ladepunkten („Steckdosen“) gegenüber, so der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. Angesichts der wenigen zugelassenen Elektrofahrzeuge scheinen diese Zahlen gar nicht so schlecht zu sein, jedoch sind mehr als die Hälfte der Ladepunkte allein in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg zu finden. Wer stattdessen in den Norden oder Osten fahren möchte, muss genau planen: In ganz Schleswig-Holstein gibt es grade einmal 65 Ladepunkte, in Brandenburg 35 und in Mecklenburg-Vorpommern 23.

Allerdings ist die Herausforderung, eine Stromtankstelle zu finden, nicht das einzige Problem: Erschwerend kommt hinzu, dass es verschiedene Steckersysteme gibt und nicht jeder Ladepunkt kompatibel mit dem eigenen Auto ist. Noch dazu ist vor dem Tanken manchmal eine Anmeldung beim Betreiber notwendig.
Auch der Anschaffungspreis der Stromer schreckt viele potenzielle Käufer ab. Ein Elektroauto herzustellen kostet fast das Dreifache der gängigen Sprit-Modelle und eine Umrüstung ist auch nicht billig. Hier bemängeln Umweltfreunde, dass die deutsche Politik so wenig in die E-Fahrzeuge investiert. Besonders Norwegen ist ein Vordenker auf dem Gebiet des automobilen Umdenkens: Fast jedes fünfte Auto fährt dort elektrisch. Grund sind die hohen Subventionierungen. Auch wer seinen Stromer in den Niederlanden oder den USA zulässt, bekommt Unterstützung im oberen vierstelligen Bereich. Dabei könnte sich auch in Deutschland fast jeder fünfte Fahrer vorstellen, in ein Elektrofahrzeug umzusteigen – wenn es staatlich gefördert würde.

Das erklärte Ziel der Bundesregierung, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf den Straßen zu haben, rückt ohne Anreiz in weite Ferne, selbst wenn man zu den 19.000 derzeitigen reinen Elektroautos in Deutschland noch die 108.000 Hybride dazurechnet, die einen Akku zusätzlich zum Verbrennungsmotor eingebaut haben. Die von der Bundesregierung eigens eingerichtete „Nationale Plattform Elektromobilität“ fordert deshalb unter anderem 360 Millionen Euro Förderung für Forschung und Entwicklung, 50 % Sonderabschreibungen und den schnellen Aufbau einer Infrastruktur für Ladestationen.

Elektroautos haben finanziell klare Vorteile

Das Elektroauto ist also durchaus gesellschaftlich und politisch erwünscht, jeder sechste Deutsche will bis 2020 ein Elektroauto fahren und besonders umweltbewusste, junge Autofahrer haben Interesse an Alternativen zum Brennstoff. Wie kann ein Hersteller den dennoch abgeneigten Kunden nun überzeugen? Welche Argumente sprechen für die wiederentdeckte Technik?

Abgesehen vom moralischen Argument der besseren Umweltverträglichkeit, ist der Preis eine gute Basis für Gespräche. Denn obwohl die Herstellungskosten höher sind als bei einem Sprit-Modell, rechnet sich die Anschaffung relativ schnell. Grund dafür sind die unschlagbar günstigen Preise für eine Akkuladung – an vielen Ladestationen ist das Stromtanken nämlich kostenlos. Zudem gibt es steuerliche Vorteile. Wer sein Elektroauto bis 2016 erstmalig in Deutschland zulässt, bekommt 10 Jahre lang die Kfz-Steuer geschenkt. Hinzu kommen die gesparten Wartungskosten: Ein technisch einfacher strukturiertes Fahrzeug ohne Getriebe, Tank und Verbrennungsmotor hat weniger Verschleißteile und muss daher seltener gewartet werden.

In naher Zukunft: Verdoppelte Reichweite, halber Preis

Derzeit fahren nicht einmal zwei von 100 Fahrzeugen in Deutschland elektrisch, aber es zeichnet sich deutlich ab, dass diese Zahl explodieren wird, allein schon deshalb, weil in Zukunft viele Unternehmen ihre Firmenwagenflotte auf emmissionsfreie Modelle umstellen werden und die E-Autos daher stärker das Straßenbild prägen werden. Dieser Trend hat bereits begonnen: 60 % der Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen gehört nicht Privatpersonen, sondern Unternehmen. Tatsächlich steht das große Umdenken aber nicht unmittelbar bevor, sondern hat bereits begonnen. Während es Anfang 2014 in Deutschland insgesamt 12.000 Elektroautos gab, wurden allein im Laufe des letzten Jahres 8522 neu zugelassen, so die aktuellen Erhebungen des Kraftfahrt Bundesamtes.

Dafür, dass der Wandel bereits begonnen hat, spricht auch die optimistische Prognose des Statistik-Portals statista.de, das die Anzahl der Ladepunkte von aktuell nicht einmal 5000 auf 150.000 anwachsen sieht – und das innerhalb der nächsten fünf Jahre. Bis dahin will übrigens auch der Automobilzulieferer Bosch ein Batteriesystem für E-Autos entwickeln, das die Reichweite verdoppelt und darüber hinaus kleiner, leichter und nur halb so teuer ist. Selbstverständlich kann man dem Kunden auch einen Kompromiss anbieten: Neben reinen E-Autos gibt es schließlich auch Hybridfahrzeuge mit klassischem Verbrennungs- und zusätzlichem Elektromotor. Die Hybride sind günstiger als reine Stromer und geben dem skeptischen Fahrer ein vertrautes Gefühl, weil die gewöhnlichen Tankstellen angefahren werden. Und das Problem mit den wenigen Stromtankstellen ist auch gar nicht mehr so groß, wenn man einfach eine der vielen Apps auf dem Smartphone installiert, die den Weg zur nächsten Ladestation weisen.

concertare analysiert seit 1998 das Verhältnis zwischen Kunde, Verkäufer und Unternehmen. Die Argumentationsstrukturen zu perfektionieren ist eines der wesentlichen Ziele jeder Strategie zur Optimierung des Kundenbeziehungsmanagements. Diese Strategien werden auf Grundlage von statistischen Auswertungen für jedes Unternehmen individuell angelegt.

Quellen:
http://www.lichtblick.de/medien/news/?detail=303&type=press
http://www.zeit.de/mobilitaet/2015-02/elektroauto-bosch-batterie
http://www.kba.de/DE/Presse/Presseportal/N_Segmente_Modellreihen_FZ11/N_Segmente2014/neuzulassungen_segmente_2014_inhalt.html?nn=645312
http://www.zsw-bw.de/uploads/media/Paper_Monitoring_EMobilitaet_Final_akt.pdf
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/165513/umfrage/kaufbereitschaft-von-elektroautos-in-deutschland/
http://www.kba.de/DE/Statistik/Fahrzeuge/Bestand/2015_b_jahresbilanz.html?nn=644526
https://www.bdew.de/internet.nsf/id/bdew-erhebung-elektromobilitaet-zuwachs-bei-oeffentlichen-lademoeglichkeiten-de?open&ccm=900030
http://nationale-plattform-elektromobilitaet.de/hintergrund/die-massnahmen/