Trends bei Shoppingcentern – Wie Einkaufen wieder zentral wird

1964 schrieb Sulzbach Geschichte. Das Dorf im Taunus mit seinen nicht einmal 10.000 Einwohnern eröffnete seinerzeit mit dem Main-Taunus-Zentrum das erste Shoppingcenter Deutschlands nach amerikanischem Vorbild. Die unmittelbare Nähe zu Frankfurt/Main und die Neuartigkeit des Einkaufserlebnisses führten zu guten Besucherzahlen. Das Main-Taunus-Zentrum gibt es noch immer. Aus den 40.000 Quadratmetern Verkaufsfläche bei der Eröffnung sind inzwischen 91.000 geworden, aus 73 Geschäften wurden 170. Das Main-Taunus-Zentrum ist heute das drittgrößte Shoppingcenter Deutschlands – nach dem Oberhausener CentrO und dem Chemnitz Center.

So neuartig, wie es den Anschein erweckte, war das Einkaufszentrum 1964 jedoch eigentlich gar nicht. Überdachte Ladenpassagen hatten sich im frühen 19. Jahrhundert aus den innerstädtischen Handelshöfen und Markthallen des Mittelalters entwickelt. Diese Ladenpassagen, die ihr Vorbild wiederum in antiken Bauten wie bspw. den Trajansmärkten in Rom hatten, waren die Vorläufer der Einkaufszentren wie wir sie heute kennen. Neu war lediglich der Umstand, dass das Einkaufszentrum nicht ebenfalls im Stadtzentrum gelegen war, wie es bis dahin bei Waren- und Kaufhäusern üblich gewesen war.

Grüne Wiese vs. integrierte Shoppingcenter

Der effektive Vorteil solcher Shoppingcenter liegt zunächst auf der Hand: Verschiedene Anbieter unterschiedlichster Produkte und Dienstleistungen sind an einem einzigen Ort versammelt. Gewöhnlich ist die Parkplatzsituation sehr günstig – im Gegensatz zu den meisten Einkaufsmöglichkeiten in Innenstädten, wo der Kunde auf teure und nicht selten überfüllte Tiefgaragen oder Parkhäuser angewiesen ist.

Ein ausgewogener Branchenmix führt dazu, dass Besucher viele verschiedene Erledigungen machen können und sich der nächste Besuch des Shoppingcenters von vielfältigen Bedürfnissen ableitet, nicht notwendigerweise aus dem nötigen Einkauf. Mitunter sind in größeren Einkaufszentren auch Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung integriert, wie etwa Indoorspielplätze oder Kinos.

Nachdem in den 70er Jahren in Deutschland viele Einkaufszentren in Vororten auf der “grünen Wiese” entstanden waren, kippt seit den 80er Jahren die Tendenz wieder hin zu so genannten ‘integrierten Einkaufszentren’ in den Innenstädten. Zu Shoppingcentern ausgebaute Bahnhöfe, wie bspw. in Leipzig oder München, oder weiterentwickelte Passagen, in die kleine Theater, Arztpraxen oder Büroräume integriert wurden, verstärkten diesen Trend in den letzten 30 Jahren.

Shoppingcenter boomen noch immer

Unabhängig davon, ob Shoppingcenter in der Innenstadt entstehen, oder im näheren Umland: Das Konzept Shoppingcenter funktioniert. Seit der Wiedervereinigung sind die Neubauten im Umland deutscher Metropolen wie Pilze aus dem Boden geschossen. 1990 gab es 93 Center, fünf Jahre später schon 179 und im Jahr 2000 279. Aus der stark gestiegenen Zahl seit der Wende lässt sich jedoch nicht herleiten, dass besonders die neuen Bundesländer empfänglich für große Einkaufszentren wären: Von den 25 größten Einkaufszentren Deutschlands befinden sich nur acht in den neuen Bundesländern und drei weitere in Berlin. Allein in den letzten zehn Jahren sind 100 neue Shoppingzentren eröffnet worden; aktuell sind es 463. Bis 2021 kommen mindestens 40 weitere hinzu.

Shoppingcenter werden größer

Ist ein Shoppingcenter größer als 100.000 Quadratmeter, spricht man von einem Megacenter. Derzeit gibt es zwei dieser Megacenter in Deutschland, aber im nächsten Jahr wird ein drittes dazukommen: In der Hauptstadt soll bis 2016 das erst im letzten Jahr eröffnete “LP12 Mall of Berlin” zu nahezu doppelter Größe anwachsen und dann mit 135.000 Quadratmetern Retailfläche das größte Shoppingcenter Deutschlands werden.

Auch die Durchschnittsgröße neu eröffneter Einkaufszentren ist gestiegen: 2013 lag sie bei 24.000, im vergangenen Jahr schon bei 40.000 Quadratmetern.

Konkurrenzkampf unter Shoppingcentern

Durch immer mehr und immer größere Einkaufszentren auch in Innenstadtlage, entstand in den vergangenen Jahren in manchen Städten eine schwierige Einzelhandelssituation. Gegen den Ausbau des Oberhausener CentrO war vor einigen Jahren eine Klage der umliegenden Städte bis vor das Bundesverwaltungsgericht gegangen – erfolglos. Shoppingcenter im Umland saugen Kaufkraft aus der Innenstadt ab; Shoppingcenter in der Innenstadt saugen Kaufkraft vom kleinen Einzelhandel ab, so die Theorie. Jedoch ist dieses Schwert zweischneidig – manche schon herb gebeutelte Innenstadt wurde durch ein neues Shoppingcenter im Ortskern wieder belebt. Themenbezogene Einkaufszentren und Alleinstellungsmerkmale hinsichtlich Service, Originalität oder Angebotspalette sind die Folge des Verdrängungskampfes, daher werden besonders die Erwartungen potenzieller Kunden relevant für die neuen Konzepte. Besucher erwarten Authentizität, Nischenprodukte, Qualität, Überraschungen, Erlebnisse und Bereiche zum Entspannen – am besten inklusive kostenlosem WLAN. Ein Shoppingcenter muss Ruheoase, Begegnungszentrum und Eventlocation im selben Maße sein wie ein Ort für kreative Geschäftsideen, originelle Shops und ansprechende Warenpräsentation. Begrünte Flächen und Wasserinstallationen liegen ebenso im Trend wie moderne Architektur und gedeckte Farbthemen. Beispiele für diese Trends sind unter anderem das im März eröffnete Minto in Mönchengladbach und die vor drei Jahren eingeweihten Höfe am Brühl in der Leipziger Innenstadt.

Branchenspezifische Trends und Kundenerwartungen rechtzeitig zu erkennen und diesen Anforderungen entsprechend zu begegnen, ist eine elementare Aufgabe jedes Unternehmens. Concertare analysiert deshalb seit fast 20 Jahren Beziehungen und Strukturen zwischen Unternehmen und ihren Kunden. Speziell geschulte Mitarbeiter führen vor Ort eine Datenerhebung durch, die anschließend Grundlage des Optimierungskonzeptes ist, das Concertare für jedes Unternehmen individuell erstellt.

 

Quellen:

  • http://www.handelsdaten.de/shopping-center/anzahl-der-shopping-center-deutschland-zeitreihe
  • http://www.uni-goettingen.de/de/97294.html
  • http://www.derhandel.de/news/unternehmen/pages/Warenhaeuser-Kaufhauskrise-Wenn-die-City-ihr-Kraftzentrum-verliert-7692.html